Kurz möchte ich die Geschichte meines „spirituellen Weges“ erzählen.
2017 wurde es für mich immer dringlicher, meine Berufung zu finden – wofür ich „auf die Erde gekommen“ bin. Ich hatte es satt, nur fürs Geld irgendeine Tätigkeit von 8:00 bis 17:00 auszuüben.
Ich habe meine Berufung überall gesucht. Viele verschiedene Methoden habe ich ausprobiert, ich bin zu „Gurus“, “Lehrer:innen” gegangen und habe völlig fremde Menschen gebeten, mir zu sagen, was mein Lebenssinn sei. Ich bin auch auf den Camino (France) gegangen. Ja, ich sagte zwar, dass ich keine Erwartungen an den Pilgerweg habe, doch insgeheim hoffte ich trotzdem auf ein „Zeichen“, das mir zeigen würde, warum ich hier bin.
Doch es gab kein grosses Zeichen – kein Feuerwerk, kein Erdbeben. Es gab nur eine begrenzte Zeit und den Weg, den ich gehen wollte. Als ich dann daran dachte, dass ich nach meiner Ankunft in Santiago nur noch 3–4 Tage haben würde, bevor ich wieder in meinen ungeliebten Job zurück müsste, wurde mir klar, was für mich wirklich wichtig war: Ich wollte die restliche Zeit mit meiner Familie verbringen. Sie sind mir wichtiger als die noch offenen Kilometer und die Ortschaften, die ich hätte besuchen können. Also bin ich zu meiner Familie gereist.
Das war jedoch nicht das Ende meiner Geschichte. Als ich in mein „altes Leben“ zurückkehrte, fiel ich noch tiefer. Man könnte es eine Midlife-Crisis oder Depression nennen. (Viele erleben das nach dem Camino, aber nur selten wird darüber gesprochen.) Es dauerte Monate, bis ich wieder Sinn und Ziel in meinem Leben fand. Ich habe sehr gelitten. Ich war sogar wütend auf den Camino, weil er mir nicht das gegeben hatte, was ich mir heimlich erhofft hatte – auch wenn ich wusste, dass es töricht war, so etwas von einer Reise zu erwarten.
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Um wieder ins Leben zu kommen und mich besser zu fühlen, begann ich einen Kurs in Fussreflexzonentherapie – eine Möglichkeit, die ich schon vor dem Camino in Betracht gezogen hatte. Zumindest hoffte ich, dadurch weniger im Kopf und mehr im Körper zu sein. Doch ich habe viel mehr bekommen.
Mir wurde klar, wie egoistisch es eigentlich ist, ständig helfen zu wollen. Oft hilft man, um sich selbst wertvoll zu fühlen, weil man etwas „Gutes“ getan hat. Heute glaube ich nicht mehr daran, dass es nur die eine Berufung gibt oder dass eine Methode mich „retten“ oder zu einem besseren Menschen machen könnte. Das Leben besteht aus vielen Erfahrungen und Begegnungen, die wir schätzen sollen.
Heute denke ich, dass ich hier auf dieser Welt bin, um das Leben zu spüren – viel zu erfahren und nichts zu verpassen, was mir begegnet und mich umgibt. An eine endgültige „Erleuchtung“ glaube ich nicht. Die Dinge, an die wir glauben, die Methoden, die wir ausprobieren, die Wege, die wir gehen – sie sind alle nur Mittel, um uns selbst hier auf der Erde, in Fleisch und Blut, zu spüren und zu erfahren. Ganz gleich, wo wir geboren wurden und welche Wege wir wählen. So empfinde ich es zumindest. Für mich scheint es wahr zu sein.
Mit meinen Erfahrungen stehe ich euch als Begleiterin auf eurem Weg zur Seite. ![]()
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